2018-10-19

Strompreise in Europa

Nicht nur in Deutschland haben Verbraucher mit hohen Strompreisen zu kämpfen. In vielen Ländern Europas sind die Kosten für Energie in den letzten 10 Jahren gestiegen.

Die deutschen Strompreise liegen im Vergleich schon lange weit über dem europäischen Durchschnitt. 2017 hat Deutschland nun auch den ersten Platz des Eurostat Rankings erreicht. Mit einem durchschnittlichen Strompreis von 30,5 Cent pro Kilowattstunde [Cent|kWh] zahlen deutsche Verbraucher nun genau so viel wie der langjährige Spitzenreiter Dänemark. Nur der Anteil „Steuern und Abgaben“ ist im Nachbarland mit 67% etwas höher als hierzulande [55%].

Der europäischen Statistik zufolge müssen Stromkunden in Deutschland mehr als doppelt so viel bezahlen wie ihre Nachbarn in Tschechien [14,4 Cent] und in Polen [14,6 Cent]. Aber auch Frankreich ist mit 16,9 Cent|kWh im Vergleich sehr günstig gefolgt von Österreich mit 19,9 Cent.

2017 lag der durchschnittliche Strompreis für europäische Haushaltskunden bei 20,4 Cent|kWh. Die Unterschiede innerhalb Europas sind hoch und reichen für private Verbraucher von 9,6 Cent|kWh in Bulgarien bis 30,5 Cent in Deutschland und Dänemark.

In den vergangenen 10 Jahren sind die Strompreise für Verbraucher im europäischen Durchschnitt um 37% gestiegen. Im Euro-Krisenland Griechenland mussten die Menschen im 10-Jahres-Vergleich besonders tief in die Tasche greifen. Dort kostete der Strom im letzten Jahr gut 76% mehr als noch 2008. Lettland meldet mit knapp 58%  den zweithöchsten Strompreisanstieg in der EU gefolgt von Portugal mit 50%. Deutschland liegt auf Platz 8 mit 39%.

Nicht überall in Europa steigt der Strompreis

In einigen Ländern Europas konnten sich Privathaushalte über Strompreisvergünstigungen freuen. Die Spitzenplätze beim Preisrückgang nehmen Ungarn [-28%], Malta [-17%] und die Niederlande [-13%] ein.

Am günstigsten ist der Strom in Bulgarien [9,4 Cent|kWh] gefolgt von Litauen [11,2 Cent]  und Ungarn [11,3 Cent].

strompreise in europa 2017 Länder Vergleich
Strompreise in Europa 2017

Der Strompreis in Deutschland [Anfang 2017]

Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte in Deutschland ist seit der Jahrtausendwende von 13,94 auf 29,16 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 109% beziehungsweise 6% pro Jahr. In diesen 29,16 Cent sind die Kosten für Stromerzeugung, Transport und alle Steuern und Abgaben enthalten.
Mehr zur Strompreiszusammensetzung in Deutschland

 

Strompreise in Europa 2010 – 2017 in Cent pro Kilowattstunde

Land/Jahr20172016201520142013201220112010
Strompreise Belgien2827242022222120
Strompreise Bulgarien10109991098
Strompreise Dänemark3031303029303027
Strompreise Deutschland3030293029272524
Strompreise Estland1212131314111010
Strompreise Europa Ø2020212120201817
Strompreise Finnland1615151516161614
Strompreise Frankreich1717171816151414
Strompreise Griechenland1917181816141212
Strompreise Großbritannien1818222018181614
Strompreise Irland2323252524232119
Strompreise Italien2123242323232119
Strompreise Kroatien1213131314141112
Strompreise Lettland161314141310
Strompreise Litauen1112121314131212
Strompreise Luxembourg1617181716171717
Strompreise Malta1313131217171717
Strompreise Niederlande1616181719191818
Strompreise Norwegen1616141718181919
Strompreise Österreich2020202020202019
Strompreise Polen1514141414151414
Strompreise Portugal2324232221211917
Strompreise Rumänien1212131213111111
Strompreise Schweden1920191920212020
Strompreise Slowakei1415151517171716
Strompreise Spanien2323242423232119
Strompreise Tschechien1414141315151514
Strompreise Ungarn1111111113161616
Strompreise Zypern1916182425292420

* Strompreise für private Haushalte inkl. aller Steuern und Gebühren, Eurostat 18.01.2018

ENERGIEARMUT IST EIN EUROPAWEITES PROBLEM

[Stand Dez. 2015] Selbst wenn die Preise in Relation zum verfügbaren Einkommen betrachtet werden, ist Energiearmut ein in ganz Europa verbreitetes Problem.
In Deutschland sind 4,0 % der Verbraucher mit ihren Zahlungen in Verzug. Die bis Ende 2015 gemeldeten 359.319 Stromsperren sind ein trauriger Rekord seit Beginn der Registrierung durch die Bundesnetzagentur.
Karte der Strompreise in Europa
Energiearmut in Europa

[Stand 2015] Der Anteil der Menschen, die sich die Stromkosten nicht mehr leisten können, ist in einigen Ländern Europas erschreckend hoch. Laut Eurostat sind 42,0% der Griechen mit den Kosten überfordert, während in Holland nur 2.7% der Bevölkerung im Rückstand mit ihren Stromrechnungen sind. Auch fast ein Drittel der Bulgaren [31,4 %] kann sich die hohen Strompreise nicht leisten. Der EU-weite Durchschnitt liegt bei 9,1%.

Eindeutiger Trend für die Entwicklung der Strompreise
Vergleicht man die Daten von Eurostat, wird deutlich, dass sich der Kostentrend für Haushaltsstrom in der EU seit Jahren fast ungebrochen fortsetzt. Wie die Grafik zeigt, gibt es enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Grund dafür sind nationale Besonderheiten, wie Steuern und Umlagen. In Deutschland haben die Energiewende und der Ausbau der Leitungsnetze die Strompreise in den vergangenen Jahren verteuert.

Quellen: Die Preise wurde von der europäischen Statistikbehörde Eurostat ermittelt.
Grafik 1: Es sind die durchschnittlichen Strompreise der einzelnen Länder inklusive aller Steuern und Gebühren für Haushalte mit einem Verbrauch bis 5000 kWh. Die Daten wurden für das erste Halbjahr 2017 erfasst. Strompreise in Europa
Grafik 2: Die Daten wurden für private Haushalte über das gesamte Jahr 2015 erfasst. Energiearmut in Europa

Ihre Meinung zu den Strompreisen in Europa

Jannik
"riesige Speicherkapazitäten erfunden sind": Wie lange war denn bisher die längste Periode in Deutschland bzw. Europa in denen weder Wind wehte noch die Sonne schien? Wenn du diese Zahlen hast, merkst du, dass die Speicherkapazitäten doch gar nicht so groß sein müssen (ca. 14 Tage) - sowie der Preis auch eine untergeordnete Rolle spielt, da nur vergleichsweise wenig TWh gespeichert werden müssen und diese nur einen geringen Anteil am gesamten Energieverbrauch ausmachen. http://www.kombikraftwerk.de/kombikraftwerk-2/100-ee-szenario.html
Jannik
Zumindest in den letzten Jahren war unser Strom immer wertvoller als der anderer Länder (wir haben immer mehr am Stromexport verdient, als wir für Importierten Strom bezahlen mussten!) http://www.iwr.de/news.php?id=26696 Der Strompreis an sich ist in Deutschland extrem günstig, siehe http://www.epexspot.com/en/. Nur die staatlichen Abgaben sind vergleichsweise hoch. Wir benötigen übrigens nicht "konstant" gelieferten Strom. Daher muss Frankreich teilweise >3000€/MWh für Spitzenlaststrom bezahlen. Der Stromverbrauch schwankt, tagsüber in Deutschland bis zu 80GW Last und nachts durchaus nur 35GW. http://eex-transparency.com/ "riesige Speicherkapazitäten erfunden sind": Wie lange war denn bisher die längste Periode in Deutschland bzw. Europa in denen weder Wind wehte noch die Sonne schien? Wenn du diese Zahlen hast, merkst du, dass die Speicherkapazitäten doch gar nicht so groß sein müssen (ca. 14 Tage) - sowie der Preis auch eine untergeordnete Rolle spielt, da nur vergleichsweise wen
Mr.Black
Wo ist der sind wenn nur in Deutschland keine AKW,s sind aber um uns herum sind überall AKW,s wenn ein AKW in Frankreich oder so BOOM macht sind auch wir davon betroffen, wenn dann alle Auf der Weld oder zumindest in der EU, ansonsten machen wir Deutsche nur unsere Wirtschaft kaputt z.B. ein Döne kostet vor 2 Jahren 3 Euro jetzt 4.50€ bis 5€ ausbaden müssen wir das alles die kleinen Leute und nicht die Politiker den die haben Geld, das ist alle nur abzocke so machen die ihre Taschen voller und voller auf unsere kosten, sorry bitte für Rechtschreibfehler bin Legasteniker, Danke
Johannes Neumayer
Bei der Energiegewinnung sollten die Nebenwirkungen nicht ausgeblendet werden. Atomstrom zieht Atommüll nach sich und fossile Energieträger sind begrenzt und können einen hohen Schaden an der Umwelt oder auch an der Bevölkerung hinterlassen. Diese Kosten bezahlt dann eben unsere Gesundheit oder die nächsten Generationen. Ich bin daher für alternative Energieträger und bezahle gern deren Weiterentwicklung. Ich glaube der Einsatz lohnt sich.
Gert Oeser
Nicht nur der Ausbau der Leitungsnetze, viel mehr der Zukauf von überteuertem Strom aus den Nachbarländern, wenn keine Sonne scheint, oder kein Wind weht! Wir setzen immer mehr auf diese nicht immer vorhandenen Energieträger. Aber wir brauchen konstant Strom, was diese nicht erzeugen! Sonne und Wind sind erst als konstante Stromquellen zu betrachten, wenn riesige Speicherkapazitäten erfunden sind, und das kann noch lange dauern. Europa verbietet es deshalb nicht, dass neue, aber sichere Atom- Oel- Kohlewerke gebaut werden, denn nur diese können konstant Strom liefern! Dann kaufen wir bei Flaute oder ohne Sonnenschein eben von diesen Ländern Strom zu. Und die machen ihn sehr teuer, denn wo soll Deutschland sonst Strom hernehmen, die eigenen konstanten Anlagen sind ja stillgelegt! Wir haben auch deshalb die höchsten Strompreise, weil das die Politik so festgelegt hat obwohl Energieexperten genau davor warnten!