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Kurbeln sinkende Modulpreise die Photovoltaik-Nachfrage wieder an?

Die Photovoltaik boomt weltweit – nur nicht in Deutschland. Das zeigt auch die Insolvenz des Bonner Solarworld Konzerns und bringt damit die Diskussion um Modulpreise, Investitionen und den Zubau in Deutschland wieder in Gang. Wo stehen wir heute?

Abkürzung? Direkt zum Fazit

Investitionen in Photovoltaik

Seit der Jahrtausendwende wurden 97 Milliarden Euro in die deutsche Photovoltaik investiert. Im Rekordjahr 2010 waren es allein 19,5 Milliarden, was 71% des gesamten Investitionsvolumens in Erneuerbare Energien entsprach. Das Investitionsinteresse ging in den darauf folgenden 2 Jahren um 42% zurück und ist bis heute so stark gesunken, dass es nur noch knapp 8% des Rekordjahres ausmacht und nun bei 1,6 Milliarden € pro Jahr stagniert.

Analysten zufolge sinken die Investitionen auch deshalb, weil man heute für den gleichen Preis deutlich mehr Leistung bekommt.

Investitionen Photovoltaik Deutschland
Jahr
Investitionen
20161,58 Mrd. €
20151,62 Mrd. €
20142,37 Mrd. €
20134,25 Mrd. €
201211,2 Mrd. €
201115,0 Mrd. €
201019,5 Mrd. €
Quelle: AGEB

PV Modulpreise

Die Modulpreise sind in den letzten Jahren stark gesunken, getrieben durch technologische Entwicklungen, Skaleneffekte und hohen Konkurrenzdruck. Die durchschnittlichen Modulpreise gingen seit 2010 um 74% zurück. Während die damaligen Investitionskosten noch bei 1,77 Euro je Wattpeak lagen, bewegen sie sich heute im Bereich um 0,49 Euro. Den ersten großen Wertverlust bei den chinesischen Modulen gab es 2012. Dann wurden Ende 2013 von der EU hohe Einfuhrzölle und verbindliche Mindestimportpreise für chinesische Hersteller festgelegt [auf 0,56 Euro pro Wattpeak].  Zwar gab es weiter Angebote aus China, doch die Bandbreite der Anbieter aus anderen Teilen Südostasiens wuchs und bot günstigere Alternativen um die 50 Cent pro Wattpeak.

Für 2017 darf, laut Prognose von Martin Schachinger [Handelsplattform pvXchange.com], eine weitere Optimierung von Leistung und Effizienz der Module auch außerhalb der Sitzenpreisklasse erwartet werden.

Auch der Online-Handel mit Erst- und Zweit-Marktprojekten hat dynamisch zugenommen. Das Handelsvolumen auf dem Online-Marktplatz milkthesun.com lag 2015 bei 100 Millionen Euro und legte 2016 mit einem Transaktionsvolumen von 250 Millionen nochmals deutlich zu.

Photovoltaik Preisentwicklung Module
Jahr
Preis Watt
20160,49 €
20150,59 €
20140,59 €
20130,69 €
20120,79 €
20111,12 €
20101,77 €
Quelle: pvXchange

Einspeisevergütung Photovoltaik

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz [EEG], das die nachhaltige Entwicklung der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien fördern soll, legte der deutsche Gesetzgeber eine Solarförderung fest, die eine garantierte Abnahme des Stroms zu einer festen Vergütung garantiert.  Diese Einspeisevergütung ist nach wie vor die Haupteinnahmequelle in der Photovoltaik. Zur Jahrtausendwende wurde für die Kilowattstunde [kWh] Sonnenstrom von der Dachanlage ein EEG-Vergütungssatz von etwa 50 Cent gezahlt. Dieser stieg 2004 auf 57,4 Cent. In den Boomjahren 2009 bis 2012 lag die Vergütung zwischen 43 und 20 Cent je kWh – Tendenz weiter abnehmend. Seit Einbruch des Marktes 2012 hat der Gesetzgeber die Förderung für Solarstrom noch einmal fast halbiert. Nach einer weiteren Kürzung in 2017, erhalten Hausbesitzer für eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung bis zu zehn Kilowatt nur noch 12,30 Cent für den eingespeisten Solarstrom.  Wird die Anlage größer, sinkt die Vergütung. Bei einer 100-Kilowatt-Anlage sind es nur noch 10,69 Cent pro Kilowattstunde.

Einspeisevergütung
Photovoltaik
Jahr
Preis pro kWh
201612,70 Cent
201512,82 Cent
201413,18 Cent
201315,45 Cent
201220,94 Cent
201128,74 Cent
201035,41 Cent

Zubau Photovoltaik

Die Photovoltaik in Deutschland hatte ihre Boom-Phase in den Jahren 2010 – 2012. Vorangetrieben durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)  gab es Zuwachsraten von jährlich über 7.000 Megawatt [MW].  Im Spitzenjahr 2012 waren 7.604 MW.
Infolge politisch motivierter Anpassungen des EEG-Rahmens gab es 2013 einen massiven Markteinbruch von über 80% innerhalb von nur 3 Jahren. 2016  ist der Photovoltaik-Zubau mit 1.520 MW neu installierter Leistung weit unter das Niveau des Jahres 2008 gefallen. Die Bundesregierung visiert im EEG eigentlich einen Ausbaukorridor von 2.400 bis 2.600 Megawatt pro Jahr an, doch Deutschland bleibt seit 2014 weit hinter den selbst gesteckten Zielen zurück.

Zubau: Neu installierte Photovoltaik Anlagen
Jahr
Zubau
20161,53 GW
20151,50 GW
20141,90 GW
20133,30 GW
20127,60 GW
20117,49 GW
20107,38 GW
Quelle: Bundesnetzagentur

Fazit

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat den Photovoltaik-Boom in Deutschland ausgelöst, ist aber auch für die stark rückläufige Entwicklung mitverantwortlich. Als Hauptgrund für den Rückgang bei den Neuinstallationen werden meist die zu schnelle Senkung der Einspeisevergütung und der Wechsel zum Ausschreibungsverfahren genannt.

In welchem Maße der Kostenrückgang bei den Modulpreisen den Investitionsschwund bisher ausgleichen konnte, zeigen die Indexwerte in der Grafik.

Seit dem Rekordjahr 2010 haben sich die Investitionen in Deutschland spürbar verringert. Der Index fiel um 92 Punkte. Im selben Zeitraum ist der Wert der Einspeisevergütung um 64 Punkte gefallen. Der Kostenrückgang bei den Modulpreisen konnte damit Schritt halten. Der Index der Anlagenpreise sank im gleichen Zeitraum sogar um 72 Punkte. Es kam dennoch zu einem enormen Rückgang im Zubau. Die Neuinstallationszahlen sind um 80 Punkte eingebrochen.

In Phase 1 [2010 - 2012] sanken die Modulpreise [-55%] stärker als die Einspeisevergütung [-41%]. Es wurden mehr Photovoltaik-Anlagen installiert [+3%].

In Phase 2 [2013 - 2014]  sank die Einspeisevergütung um 37%. Auch die Modulpreise gingen weiter nach unten, verloren aber weniger an Wert [-25%]. Der Rückgang bei den Neuinstallationen lag bei 75%.

In Phase 3 [2015 - 2016] sind die Veränderungen weniger stark. Die Modulpreise sinken um 17%, während die Einspeisevergütung nur noch um knapp 4% nachgibt. Im Jahrsverlauf 2015 ging der Zubau noch einmal um 20% zurück, doch in 2016 gibt es einen leichten Aufschwung von fast 2%.

Bekommen wir heute mehr Photovoltaik- Leistung für weniger Geld?

Diese Frage kann eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden. Heute zahlt man für das Wattpeak in Deutschland im Schnitt 46 Cent – Sonderangebote Ende letzten Jahres lagen bei 35 Cent. Für eine schlüsselfertige Solaranlage muss dieser Wert mit dem Faktor 2,5 – 3 multipliziert werden. [Quelle: pvXchange]

Konnte der sinkende Modulpreis den Investitionsrückgang ausgleichen?

Bisher nur in geringem Maße, obwohl die Modulpreise [-72%] stärker gefallen sind als die Einspeisevergütung [- 64%]. Auch die neu installierte Leistung [-80%] ist weniger stark gefallen als die Investitionen [-92%]. Doch Fakt ist: es gingen 80% des Marktvolumens verloren. Das konnte der Preisverfall bei den Modulen nicht auffangen.

Dennoch können weiter sinkende Preise für Komponenten, eine stabile Einspeisevergütung und die Ausrichtung auf neue Zielmärkte den Photovoltaik-Zubau wieder ankurbeln. Die Branche ist optimistisch.

* Anmerkung der Redaktion: Das Fazit basiert auf einer grafischen Auswertung der Daten. Uns ist bewusst, dass es weitere Faktoren gibt, die die Marktentwicklung eventuell beeinflusst haben.

Zu diesem Thema schreibt die Wirtschaftswoche:

„Der Niedergang der Bonner Sonnenenergiefirma Solarworld ist der jüngste Beweis dafür, dass eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes dringend notwendig ist. Das EEG, geschaffen im Jahr 2000, hat seine Ziele völlig verfehlt: Die Bundesregierung hat es weder geschafft, die Treibhausgasemissionen zu senken, noch hat sie Deutschland eine starke Ökoenergiebranche beschert. Alles nur Strohfeuer: Seit 2013 sind über 40 größere Solarfirmen pleitegegangen– trotz Milliardensubventionen durch den Staat. Auch das Ziel, die Strompreise zu senken, hat die Politik nicht erreicht.“

 

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