Entwicklung der Netzentgelte 2008 – 2017

Netzentgelte für Haushaltskunden in Deutschland: 25,6% Anteil am Strompreis

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Der zweite wichtige Bestandteil [25,6%] des Strompreises für private Haushalte sind die Netzentgelte. Sie werden von den Netzbetreibern für den Bau, Betrieb und die Instandhaltung der Stromnetze erhoben. Bezahlt werden sie von den Stromanbietern, die wiederum die Kosten an ihre Kunden weitergeben. Die Netzentgelte liegen 2017 im Durchschnitt 6,7% über dem Vorjahresniveau. Als Grund für diese Steigerung wird der erforderliche Aus- und Umbau der Stromnetze genannt. Je nach Region können die zu zahlenden Netzentgelte stark variieren. Vor allem in den nördlichen und östlichen Bundesländern mit hohem Windkraftpotential werden weiterhin hohe Steigerungsraten erwartet. Firmen mit einem hohen Stromverbrauch [~ 10 Mio. kWh] sind seit 2011 von den Netzentgelten befreit, was den Strom für alle anderen Verbraucher verteuert. Seit 2008 sind die Netzentgelte um 27% gestiegen. Der in der Grafik dargestellte Wert für die Gebühren basiert auf einem Jahreshaushaltsverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

Laut IWR ist der Anstieg der Netzentgelte nicht ausschließlich - wie oft berichtet wird - auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zurückzuführen. Die Investitionen in die Netze wurden von den Stromtransporteuren zwischen 1993 und 2003 um über 50% gedrosselt. Während im Jahr 1993 noch rund 4 Mrd. Euro in die Stromnetze investiert wurden, gingen die Investitionen in den folgenden Jahren immer weiter zurück, bis sie 2003 mit 1,7 Mrd. Euro den Tiefpunkt erreichten. Die Folge dieser Entwicklung ist ein hoher Modernisierungsbedarf bei den Stromnetzen. Die Investitionen steigen erst seit 2004 wieder und der entstandene Investitionsstau in die Netze löst sich langsam auf. Das Investitions-Niveau von 1993 haben die Netzbetreiber erst 20 Jahre später - im Jahr 2013 - wieder erreicht.

Für den Stromtransport zahlen die Verbraucher im Osten Deutschlands mehr als im Westen. Bei den Netzentgelten variieren die Preise für die Stromkunden abhängig von Investitionen in die Netzstruktur, Bevölkerungsdichte und Netzeingriffen. Auf Drängen der neuen Länder empfiehlt der Bundesrat der Regierung einheitliche Netzentgelte zu veranlassen. Ein Vorschlag der die Benachteiligung von Verbrauchern in den neuen Ländern beenden würde.

Anstieg der Netzentgelte in Deutschland 2017

Kosten für den Stromtransport für private Haushalte, Veränderung zu 2016

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Zum Jahreswechsel erhöhen sich die Gebühren für den Stromtransport im bundesdeutschen Durchschnitt um etwa 9%. Einem 4-Personen-Haushalt [5.000 kWh|Jahr] entstehen damit Mehrkosten von 34€ netto im Jahr.

Die Erhöhungen fallen jedoch regional sehr unterschiedlich aus. Während die Netzkosten im Nordosten [Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein] im kommenden Jahr Spitzenwerte erreichen, bleiben sie im Südwesten stabil [Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz].

Das bereits bestehende Missverhältnis bei den Netzgebühren steigt damit im kommenden Jahr weiter an. Im Osten der Republik sind die Kosten für die Netznutzung ab Januar 2017 im Schnitt 54% höher als im Westen.

In Bremen zahlen private Stromkunden nur 305€ für den Stromtransport, in Brandenburg wird mit 614€ pro Jahr mehr als doppelt so viel [101%] in Rechnung gestellt.

Quelle: Netzbetreiber, Verbrauchszahlen: Check24

Zusammensetzung Strompreis 2017

Durchschnittlicher Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland

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Der Strompreis für private Verbraucher lag Anfang 2017 bei durchschnittlich 29,16 Cent pro Kilowattstunde und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,3% gestiegen.

Dieser Verbraucher-Strompreis setzt sich aus 3 Haupt-Bestandteilen zusammen:

19,3% für Stromerzeugung und Vertrieb, die der Stromanbieter erhält.
55,1% für staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen.
 25,6% für die Nutzung der Stromnetze, die der Netzbetreiber bekommt.

Die staatlichen Belastungen haben 2017 mit einem Anstieg auf 55% ein neues Rekordhoch erreicht [+1,9% zu 2016]. Sie sind in den letzten 10 Jahren von 7,4 Cent auf 16,1 Cent gestiegen und haben sich damit mehr als verdoppelt. [10 Jahres-Verlauf +118% | seit Liberalisierung des Strommarktes 1998 + 294%]

Der größte Teil im Bereich "Steuern und Abgaben" ist mit 23,6% die EEG-Umlage[10 Jahres-Verlauf +493%]

Den zweitgrößten Kostenblock in diesem Jahr verursachen die Netzentgelte. Sie erreichen aktuell einen Anteil von 25,6%. Die Steigerung um 6,7% wird mit dem erforderlichen Netzausbau im Rahmen der Energiewende begründet. [10 Jahres-Verlauf +27%]

Der Anteil, den der Stromanbieter für die Stromerzeugung erhält, ist in diesem Jahr auf 19,3% gesunken. Die Kosten haben sich aufgrund niedrigerer Preise an den Strombörsen um mehr als 10% zum Vorjahreswert verringert. [10 Jahres-Verlauf -22%]

Erläuterungen zu den Preisbestandteilen

Stromsteuer: Teil der Ökosteuer, wurde 1999 zur Förderung klimapolitischer Ziele eingeführt, fließt jetzt aber zu einem großen Teil in die Rentenversicherung.

Umsatzsteuer: Mehrwertsteuer in Höhe von 19% auf alle Preisbestandteile, macht rechnerisch etwa 16% des Brutto-Preises aus.

EEG-Umlage: Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Der Betreiber einer Ökostrom-Anlage, z.B. Wind oder Sonne, erhält für jede eingespeiste Kilowattstunde eine gesetzlich festgelegte Vergütung, die über dem Marktpreis liegt. Die EEG-Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Marktpreis und dem garantierten Vergütungspreis des Stroms.

KWK-Umlage: 2002 eingeführte Umlage zur Förderung der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung.

§19 NEV- Umlage: 2012 eingeführte Umlage, um die ermäßigten Netzentgelte für Industrieunternehmen zu finanzieren.

Offshore-Haftungsumlage: 2013 eingeführte und auf 0,25 Cent gedeckelte Umlage zur Finanzierung von Schadensersatzforderungen, die durch Verzögerungen und Ausfälle bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks entstehen könnten.

Konzessionsabgabe: von der Kommune erhobenes Wegerecht für den Bau und Betrieb von Leitungen.

Netznutzungsentgelte: Kosten, die vom Netzbetreiber für die Durchleitung des Stroms durch ihre Netze erhoben werden. Davon werden die Kosten für den Aufbau, den Betrieb und die Instandhaltung des Stromnetzes bezahlt. Das deutsche Stromnetz hat übrigens eine Gesamtlänge von rund 1,9 Millionen Kilometern.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. [BDEW], Berechnungsgrundlage: Haushalt mit3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch

Netzentgelte in Deutschland 2017

Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber und voraussichtlicher Anstieg der Netzentgelte 2017

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Stromkunden müssen im kommenden Jahr mit höheren Kosten rechnen, denn die 4 deutschen Übertragungsnetzbetreiber werden ihre Preise zum Teil stark erhöhen. Die Firma Tennet, in deren Einzugsgebiet etwa die Hälfte der deutschen Haushalte liegt, rechnet laut Unternehmenschef Urban Keussen mit einem Anstieg um etwa 80%. Die Firma 50Hertz, Betreiber der Stromleitungen in Ostdeutschland, gibt den Preisanstieg für 2017 mit 45% an. Amprion in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz rechnet mit Mehrkosten zwischen 10 und 12%. Bei TransnetBW in Baden-Württemberg werde der Anstieg bei rund 5% liegen.

Die Netzbetreiber können mit dem raschen Ausbau von Windkraft und Photovoltaik nicht Schritt halten. Weil das Stromnetz mit den Schwankungen überfordert ist, fallen Kosten in Milliardenhöhe für die Gegenmaßnahmen [Redispatch] an. Der Hauptanteil des Anstiegs der Netzentgelte von Tennet gehe auf das Konto solcher "netzstabilisierenden Notmaßnahmen", sagte Keussen. "Nur fünf Prozent sind durch den Netzausbau begründet."

Die Netzentgelte machen knapp 25% des Strompreises für private Haushalte aus. Sie werden von den Netzbetreibern für den Bau, Betrieb und die Instandhaltung der Stromnetze erhoben und liegen bereits 2016 im Schnitt 5,7 % über dem Vorjahresniveau.

Redispatch Wikipedia

Strompreisentwicklung private Haushalte 2000 – 2017

Strompreise für private Haushalte beim Verbrauch von 3.500 kWh|Jahr

Strompreisentwicklung 20 Jahre
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Die Strompreise für private Haushalte sind seit Jahren im Aufwärtstrend und haben Anfang 2017 das Rekordhoch von 29,16 Cent pro Kilowattstunde [Cent|kWh] erreicht. Bis Ende des Jahres ist mit einem weiteren Anstieg des Preisniveaus zu rechnen. Wegen der zur Jahreswende gestiegenen Netzentgelte und EEG-Umlage hat bereits im 1. Quartal 2017 beinahe jeder zweite Grundversorger [430] die Preise um Ø 3,5% erhöht.

Seit der Jahrtausendwende ist der Strompreis von 13,94 auf 29,16 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 109% beziehungsweise 6% pro Jahr.

Zu Beginn der Wirtschaftskrise Ende 2008 fielen die Einkaufspreise für Strom an der Börse deutlich und die zunehmende Menge an Strom aus erneuerbaren Energien lassen den Großhandelspreis weiter sinken. Laut Statistischem Bundesamt profitieren die Privathaushalte davon nicht.

Quelle: Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW)