EEG-Umlage 2019: Hintergrund, Preisentwicklung, Ausblick

Obwohl 96% der Deutschen den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen, kommt beim Thema EEG-Umlage Unmut auf. Stromkunden beklagen die Höhe der Umlage, Verbraucherschützer kritisieren die ungerechte Verteilung und Industrieunternehmen warnen vor Arbeitsplatzverlusten.

Die wichtigsten Ereignisse und Zahlen zur EEG-Umlage 2019

Die  EEG-Umlage wird von den Übertragungsnetzbetreibern jeweils zum 15. Oktober für das Folgejahr bekannt geben. 2019 wird die EEG-Umlage das zweite Jahr in Folge etwas sinken und beträgt ab 1. Januar 6,405 Cent je Kilowattstunde, das teilten die 4 Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, TransnetBW und Amprion mit. Das ist ein Rückgang um 5,7%.

Die Höhe der Umlage errechnet sich aus einer Prognose der Einnahmen und Ausgaben für das kommende Jahr. Auch der Saldo des EEG-Kontos wird berücksichtigt und ein Puffer als Liquiditätsreserve [10%] eingerechnet. 2018 war das EEG-Konto das ganze Jahr über im Plus und Ende September waren vom Polster noch 3,65 Milliarden Euro übrig. Die in den letzten Monaten gestiegen Börsen-Strompreise wirkten sich ebenfalls positiv auf die Höhe der EEG-Umlage 2019 aus.

Der hohe Kontostand weckt jedes Jahr Begehrlichkeiten, doch statt die Verbraucher zu entlasten, werden jedes Jahr weitere Industriezweige durch eine Befreiung der EEG-Umlage begünstigt. Die Zahl der befreiten Unternehmen ist 2018 bereits auf 2.209 angestiegen. Die teilweise Befreiung von der Zahlung der EEG-Umlage wird für eine Strommenge von 119 Terawattstunden gewährt, womit für etwa ein Fünftel des gesamten deutschen Stromverbrauchs Industrieausnahmen gelten.  Geld, das die „nicht privilegierten“ Verbraucher aufbringen müssen.

EEG Umlage pro kWh in Deutschland
Jahr
EEG Umlage in Cent|kWh
20196,405
20186,792
20176,88
20166,35
20156,17
20146,24
20135,28
20123,59
20113,53
20102,05

EEG-Umlage 2010 bis 2019

Entwicklung der EEG-Umlage

Statistik EEG-Umlage

Zusammensetzung der EEG-Umlage, Entwicklung der Börsenstrompreise und Industrierabatte

Entwicklung der EEG-Umlage

Entwicklung der EEG-Umlage 2010 – 2019

EEG-Umlage für Haushalts- und Gewerbekunden in Deutschland

EEG-Umlage 2010 bis 2019
2019, EEG Umlage, Strompreise BnetzA · 2019

Jedes Jahr zum Stichtag 15. Oktober wird die EEG-Umlage für das Folgejahr offiziell bekannt gegeben. Die EEG-Umlage sinkt 2019 um 0,39 Cent und beträgt ab 1. Januar 6,405 Cent pro Kilowattstunde [2018: 6,792 Cent]. Das ist ein Rückgang von 5,7% im kommenden Jahr.

Die 2018 stark gestiegenen Börsenpreise und das gut gefüllte EEG-Konto [3,65 Mrd. €, September] führen zu einem Absinken der EEG-Umlage. Die Netzbetreiber rechnen für das Jahr 2019 mit 217 TWh Strom aus regenerativen Anlagen, was einer Fördersumme von rund 27,3 Mrd. € entspricht.

Mit der EEG-Umlage wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gefördert. Die Betreiber von Ökostrom-Anlagen erhalten für jede eingespeiste Kilowattstunde einen gesetzlich festgelegten Betrag. Die Höhe der EEG-Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Marktpreis an der Strombörse und dem Vergütungspreis für den Strom, den die Anlagenbetreiber erhalten.

Einer der größten Preistreiber der EEG Umlage für Haushalts- und Gewerbekunden sind die gewährten Industrierabatte in Milliardenhöhe.

Prognose zur Entwicklung der EEG-Umlage 2018 – 2019

Prognose für Haushalts- und Gewerbekunden in Deutschland

Prognose Entwicklung EEG-Umlage 2017
2018, 2019, EEG, EEG Umlage, Entwicklung, Prognose

Im kommenden Jahr wird sich die EEG-Umlage nach den Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende zunächst kaum verändern oder sogar leicht fallen. Man geht von einem Wert zwischen 6,6 und 6,9 Cent für 2018 aus. Derzeit liegt die Umlage bei 6,88 Cent, womit ein Rückgang um bis zu 0,3 Cent pro Kilowattstunde möglich wäre.

Als Begründung für die erwartete leichte Abnahme werden voraussichtlich steigende Preise an der Strombörse genannt. Diese senken die Ausgleichszahlungen für die Betreiber von Ökostrom-Anlagen. Zudem haben die Netzbetreiber auf dem sogenannten EEG-Konto einen Überschuss von mehr als 3,8 Milliarden Euro angehäuft. Jedes Jahr wird dieser Überschuss mit Zähnen und Klauen verteidigt, obwohl der Kontostand auch 2017 nie unter die Marke von 3,5 Mrd. Euro fiel. Für diesen Milliarden-Überschuss mussten im ersten Halbjahr 2017 bereits knapp 820.000 Euro Strafzinsen gezahlt werden.

Für das Jahr 2019 wird zunächst ein Kostenschub bei der Umlage auf mehr als 7,5 Cent [+9%] erwartet, denn dann gehen die letzten Windkraft-Anlagen auf See in Betrieb, die eine relativ hohe feste Vergütung erhalten. Für die Folgejahre geht Agora nur noch von leichten Anstiegen aus. Ab spätestens 2023 solle die Umlage dann sinken, und bis 2035 stetig auf 2,1 Cent fallen.

Die EEG-Umlage finanziert die Ökostrom-Förderung für die Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Nicht alle Stromkunden müssen sie bezahlen, denn für energieintensive Unternehmen gibt es hohe Rabatte. Die letzte Hochrechnung lag bei 4,8 Milliarden € an jährlichen Befreiungen.

Die 4 deutschen Netzbetreiber geben die Höhe der EEG-Umlage jeweils zum 15. Oktober bekannt. Die Zahl beruht auf einer Prognose der Einnahmen und Ausgaben für das Folgejahr. Mit Ausnahme des Jahres 2015 ist sie bisher stetig gestiegen.

 

Entwicklung der EEG-Umlage 2010 – 2017

EEG-Umlage für Haushalts- und Gewerbekunden in Deutschland

Entwicklung der EEG-Umlage
2017, EEG Umlage, Strompreise

Die EEG-Umlage erhöht sich 2017 um 0,53 Cent und beträgt ab 1. Januar 6,88 Cent pro Kilowattstunde [2016: 6,35 Cent]. Das ist ein Zuwachs von 8,3% nach einer Steigerung von 3% in 2016. Jedes Jahr zum Stichtag 15. Oktober wird die EEG-Umlage für das Folgejahr offiziell bekannt gegeben.

Zum Zeitpunkt der Berechnung der EEG-Umlage für 2017 war das EEG-Konto mit 1,9 Milliarden Euro im Plus [2015: 2,5 Mrd.]. Der Kontostand ist Teil der Gebührenkalkulation.

Die EEG-Umlage ist im Jahr 2017 mit 6,88 Cent pro Kilowattstunde mehr als 36-mal so hoch wie zu ihrer Einführung im Jahr 2000 [0,19 Cent] und 3,4-mal so hoch wie im Jahr 2010 [2,05 Cent].

Mit der EEG-Umlage wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gefördert. Die Betreiber von Ökostrom-Anlagen erhalten für jede eingespeiste Kilowattstunde einen gesetzlich festgelegten Betrag.

Die Höhe der EEG-Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Marktpreis an der Strombörse und dem Vergütungspreis für den Strom, den die Anlagenbetreiber erhalten. Einer der größten Preistreiber der Umlage für Haushalts- und Gewerbekunden sind die gewährten Industrierabatte in Milliardenhöhe.

EEG-Umlage: Wer bezahlt wie viel?

Verteilung der EEG-Kosten nach Verbrauchergruppen

Statistik EEG-Umlage
EEG Umlage, Statistik, Strompreise

Seit der Jahrtausendwende zahlen private und gewerbliche Verbraucher mit der Stromrechnung die EEG-Umlage. 2017 fließen pro Kilowattstunde 6,88 Cent auf das Umlagekonto. Aber nicht jeder Stromkunde zahlt den gleichen Beitrag.

Private Haushalte verbrauchten im Jahr 2015 insgesamt 120,7 Milliarden Kilowattstunden und damit 19,2% der laut Bundesnetzagentur zur Verfügung stehenden Strommenge von 626,8 Mrd. kWh. Gemäß Berechnungen des BDEW stemmen die privaten Stromkunden jedoch 36% der EEG-Umlage. Das sind geschätzte 8,8 Mrd. € von insgesamt 24,2 Milliarden.

Dieser Mehrbetrag entsteht, weil es privilegierte Verbraucher gibt, die ganz oder teilweise von der Umlage befreit sind. Das sind Unternehmen in sogenannten energieintensiven Industrien. 2016 profitierten 2.137 Unternehmen von dieser Sonderregelung. Die begünstigte Strommenge liegt bei insgesamt 107,2 Mrd. kWh. Um den durch diese Subventionen entstehenden Fehlbetrag auf dem Umlagekonto auszugleichen, steigt die EEG-Umlage für die verbleibenden, nicht privilegierten Letztverbraucher, was einer Umverteilung der Förderkosten zulasten kleiner und mittlerer Unternehmen sowie der Privathaushalte bedeutet.

Das BAFA veröffentlicht die Liste der von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen [xlsx]. Eine Übersicht der monatlichen Einnahmen und Ausgaben auf dem EEG-Konto findet man auf der Informationsplattform der deutschen Übertragungsnetzbetreiber.

 

Zusammensetzung der EEG-Umlage & Entwicklung der Einflussfaktoren

Entwicklung der Börsenstrompreise, Industrierabatte und der Ökostromproduktion

Zusammensetzung der EEG-Umlage, Entwicklung der Börsenstrompreise und Industrierabatte
2016, Börsenpreis, EEG Umlage, Industrie, Rabatt, Strompreise BNetzA, BAFA, BEE, Agora

Das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien [EEG] ist die Grundlage der Energiewende in Deutschland. Über die EEG-Umlage wird dieser Energieumbau finanziert. Zum Sündenbock für den inzwischen starken Anstieg der Umlage erklärt man die Anlagenbetreiber und die steigende Produktion von Ökostrom, dabei treiben Fremdkosten die Umlage in die Höhe.

Von 2010 bis 2015 hat der Ökostromanteil am deutschen Strommix um 50% zugelegt. Im selben Zeitraum hat sich die EEG-Umlage aber verdreifacht, denn die Förderung der erneuerbaren Energien macht nur noch einen kleinen Teil der EEG-Umlage aus. Vor allem Fremdkosten, wie die gefallenen Großhandelspreise an der Strombörse und die Befreiung vieler Industrieunternehmen von der Umlage treiben die Kosten nach oben.

Laut Bundesverband Erneuerbare Energien [BEE] hat die reine Ökostromförderung nur noch einen Anteil von 42% [2,61 von 6,24 Cent] an der EEG-Umlage. Der gefallene Börsenpreis verursacht 23% [1,45 Cent] und die Industrieprivilegien noch einmal 20% [1,25 Cent] Zusatzkosten. Damit steht die eigentliche Förderung der erneuerbaren Energien und der Zuwachs bei der EEG-Umlage in einem Missverhältnis.

2010 lag der Großhandelspreis für Strom an der Börse noch bei 5,82 Cent|kWh. Fünf Jahre später, bei nur noch 4,21 Cent|kWh. Der Ausgleich dieses Preisrückgang verursacht inzwischen 23% der Umlagekosten - Tendenz steigend, denn der Börsenpreis fällt 2015 weiter. Auch die Privilegien, die die Industrie genießt, haben sich seit 2010 fast verdreifacht und machen bereits ein Fünftel der Umlagekosten aus. Nach aktuellen Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle [BAFA] wurden in diesem Jahr 2.154 Unternehmen von der Umlage befreit.

Die nicht befreiten Stromverbraucher entlasteten die Unternehmen im Jahr 2014 mit 4,8 Milliarden Euro und subventionierten so die großen Industriebetriebe mit 1,25 Cent pro Kilowattstunde. Die Durchschnittsfamilie mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlte 2014 knapp 220 Euro Ökostrom-Umlage, davon entfielen rund 44 Euro auf Industrie-Rabatte.

Prognosewerte für 2015 gemäß Berechnungen des BEE: Reine Förderkosten 2,66 Cent, Rückgang Börsenstrompreis 1,83 Cent, Industrieprivileg 1,34 Cent 

Entwicklung der Komponenten [Besondere Ausgleichsregelung]

JahrEEG Umlage in Cent|kWhIn %Börsenpreis in Cent|kWhIn %Industrie-Rabatte in Mrd. EuroIn %Ökostrom in Mrd. kWhIn %
20102,0471005,821001,7100104,800100
20113,531725,38922,7159123,80118
20123,5921755,74992,7159143,90137
20135,2772585,24904,0235151,30144
20146,243054,21725,1282157,30150
20156,173013,57 *Prognose61
20166,354310
Die "Besondere Ausgleichsregelung" sieht vor, dass stromkostenintensive Unternehmen nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen. Diese Ausnahmeregelung gilt nur für stromkostenintensive Unternehmen aus Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen. Die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Arbeitsplätze der stromkostenintensiven Industrie, die im Vergleich zur internationalen Konkurrenz hohe Strompreise zahlt, dürfen nicht gefährdet werden.BMWi

Entwicklung der EEG-Umlage & Auszahlungen an die Anlagenbetreiber

EEG-Umlage verdreifacht seit 2010, Auszahlung nur um 70% gestiegen

Entwicklung der EEG-Umlage
2016, Auszahlung, EEG Umlage, Entwicklung, Strompreise

Es ist ein weitverbreiteter Glaube, dass aufgrund des Solar- und Windkraft-Booms überhöhte Zahlungen an die Anlagenbetreiber geleistet werden, was wiederum die Strompreise in die Höhe schießen lässt. Auch wird argumentiert, dass die Energiewende unbezahlbar wird, wenn die Förderung von Solar- und Windanlagen weiter so unterstützt wird.

Die Umlage zur Förderung des Ökostroms [EEG-Umlage] wird oft als Preisschild für die deutsche Energiewende verwendet. Doch die tatsächliche "Förderung der erneuerbaren Energien" macht nur noch einen geringen Teil der EEG-Umlage aus. Vor allem die Befreiung vieler Industrieunternehmen von der Umlage und die gefallenen Preise für Strom an der Börse treiben die Kosten in die Höhe.

2010, als die EEG-Umlage noch 2,05 Cent/kWh betrug, wurden 13,2 Milliarden Euro an die Betreiber von Ökostromanlagen ausgezahlt [Jahresabrechnung Bundesnetzagentur]. Im Jahr 2015 wird sich der Auszahlungsbetrag um etwa 70% auf 22,9 Milliarden erhöhen. Im gleichen Zeitraum verdreifachte sich die Umlage, die vor allem von Privatverbrauchern und kleinen Unternehmen bezahlt wird, und lag bei 6,17 Cent/kWh.

Die Energieexperten des Bundesverbandes Erneuerbare Energien [BEE] haben errechnet, dass der Anteil der Förderkosten für erneuerbare Energien im Jahr 2014 nur bei 42% lag [2,61 Cent von 6,24 Cent]. Der gefallene Börsenpreis verschlang 23% [1,45 Cent] und die Industrieprivilegien machten ein Fünftel der Umlagekosten [1,15 Cent] aus.

* Auszahlung an die Anlagenbetreiber in Milliarden Euro inklusive Marktprämie und Flexibilitätsprämie

EEG Umlage 2019